Kolumne


15.01.2015

Swiss Asset Management - Quo Vadis?

 

Markus Fuchs

Geschäftsführer, Swiss Funds & Asset Management Association SFAMA

Das Schweizer Asset Management – Vermögensverwaltung für Institutionelle – ist eine wesentliche Säule der hiesigen Finanzindustrie. Seine Bedeutung wird in den kommenden Jahren noch zunehmen. Die Schweiz verfügt über eine hohe Finanzexpertise und gehört in Sachen Vermögensverwaltung sowie Versicherungen seit langem zu den führenden Standorten der Welt. Weitere Trümpfe sind die grosse Menge des hierzulande verwalteten Kapitals sowie der gute Ruf der Swissness. Auch die wirtschaftliche und politische Stabilität gereicht dem Finanzplatz nach wie vor zum Vorteil. Aber der Export der Dienstleistungen und Produkten ins Ausland ist zunehmend unabdingbar. Bisher kommen die grossen, spezialisierten ausländischen Vermögensverwalter oft mit einer Vertriebseinheit oder bloss mit einem eingeflogenen Angestellten in die Schweiz und versuchen, an den Vermögen der hiesigen Pensionskassen mitzuverdienen. Hier muss der Spiess umgedreht werden. Asset Manager müssen sich vermehrt in der Schweiz ansiedeln und ihre Dienste in der Schweiz und von der Schweiz aus auch im Ausland anbieten.  Das ist auch ein wichtiges Ziel der Asset Management Initiative der Swiss Funds & Asset Management Association SFAMA und der Schweizerischen Bankiervereinigung. Denn durch die Stärkung des Schweizer Asset Managements können in der Schweiz Arbeitsplätze im Finanzsektor geschaffen und die Wertschöpfung erhöht werden. Gleichzeitig kann so auch ein Teil der möglichen Einbussen im traditionellen Bankgeschäft kompensiert werden.

Der Schweizer Markt für institutionelles Asset Management wird sich mit knapp 2% pro Jahr bis ins Jahr 2020 nur wenig vergrössern. Demgegenüber sind die Wachstumsprognosen für den globalen Markt mit 6% vergleichsweise hoch und attraktiv. Primär wird dieses Wachstum im Vorsorgebereich stattfinden – mit Pensionskassen, Versicherungen und Staatsfonds als Hauptinvestoren. Dabei handelt es sich um einen grossen Kuchen: Gemäss der von Towers Watson erstellten Studie „Global Pension Assets Study 2014“ beliefen sich die Pensionsvermögen der dreizehn stärksten Länder Ende 2013 auf knapp 32‘000 Mrd. USD. In der Schweiz liegt der diesbezügliche Wert bei rund 700 Mrd. CHF. Die Sicherstellung der entsprechenden Finanzierung gehört weltweit zu den grössten politischen Herausforderungen der nächsten Jahre. Erfolgreiches Asset Management kann zur Lösung einen gewichtigen Beitrag leisten und ist nicht etwa ein weiteres „Problem“ der Finanzindustrie. Die Finanzierungslücke ist dabei nicht nur in Industrieländern ein Thema, sondern akzentuiert sich zunehmend auch in Schwellenländern, da neben der generellen Erhöhung der Lebenserwartung auch in weniger entwickelten Ländern die Geburtenrate zu sinken beginnt. Daraus lässt sich auch ableiten, dass künftig ein noch höherer Anteil unserer Kunden aus dem Ausland stammen wird.

Um das Schweizer Asset Management langfristig zu stärken und wettbewerbsfähig zu halten, muss sichergestellt werden, dass hiesige Anbieter am prognostizierten internationalen Wachstum der institutionellen Vermögenswerte auch teilhaben können. Dies ist nur möglich, wenn sie ihre Dienstleistungen und Produkte tatsächlich ins Ausland exportieren können. Eine Grundvoraussetzung dafür ist, dass sich das Schweizer Finanzmarktrecht im Einklang mit internationalen Regulierungsstandards befindet. Sowohl das Finanzmarktinfrastrukturgesetz (FinfraG), als auch die Idee eines Finanzdienstleistungsgesetzes (FIDLEG) und eines Finanzinistitutsgesetzes (FINIG) tragen zur Sicherung der Exportfähigkeit Schweizer Finanzdienstleistungen und -produkte bei. Ein wesentlicher Teil unseres Finanzexports wird heute von EU-Kunden nachgefragt, was auch in den nächsten Jahren so bleiben dürfte. Daher ist eine grundsätzliche

Orientierung der Schweizer Finanzmarktregulierung an den Bestimmungen in der EU ebenfalls unabdingbar. Es muss jedoch darauf geachtet werden, dass die EU-Regulierung nur soweit als Richtschnur für die Finanzmarktregulierung in der Schweiz genommen wird, wie dies im Hinblick auf die Sicherstellung künftiger Exportmöglichkeiten erforderlich erscheint.

Der mehrheitlich negativ ausgefallenen Kritik an FIDLEG und FINIG schliesst sich die SFAMA bei einzelnen Kapiteln, nicht jedoch im Grundsatz an. Vielmehr begrüssen wir aus Sicht des Schweizer Fonds- und Asset Managements die Vorlagen, auch wenn in gewissen Bereichen durchaus Änderungsbedarf besteht. Denn FinfraG, FIDLEG und FINIG sind wichtige Bausteine zur Erlangung der Exportfähigkeit von Schweizer Finanzdienstleistungen und -produkten. Bei der vorgeschlagenen Umgestaltung der Finanzmarktrechtarchitektur handelt es sich um eine Investition in den Schweizer Finanzplatz. Diese wird sich sowohl für die Schweizer Asset-Management-Industrie als auch für den gesamten Finanzplatz und die Volks­wirtschaft mittel- bis längerfristig auszahlen. Doch dazu ist auch eine konstruktive Haltung aller Finanzmarktakteure notwendig, die sich nicht nur auf Besitzstandwahrung und Detailkritik konzentriert, sondern den Blick auf das Gesamtbild richtet.

Markus Fuchs

Geschäftsführer Swiss Funds & Asset Management Association SFAMA, Basel