Kolumne


27.10.2014

Ein bürokratisches Monstrum namens FIDLEG/FINIG





Linh Dieu

Leiterin Marketing & Kommunikation Verband Schweizerischer Vermögensverwalter VSV

Das Finanzdienstleistungs- und Finanzinstitutsgesetz FIDLEG/FINIG macht es sich zur Aufgabe, den Finanzplatz Schweiz neu zu regulieren. Anlegerschutz und Transparenz waren die initialen Hauptanliegen – die 400-seitige Papierlawine bringt jedoch vor allem bürokratische Hürden und hohe Kosten.  

Teurer und komplizierter, aber nicht besser

FIDLEG ist das Paradebeispiel einer Überregulierung, die keine Rücksicht auf die Diversität des Finanzplatzes Schweiz nimmt:

  • Von der Angleichung an EU-Recht profitieren nur grössere Banken mit Zweigniederlassung in der EU. Die höheren Regulierungskosten hingegen sind von allen Finanzdienstleistern zu berappen, ob Regionalbank oder ausschliesslich national tätige Vermögensverwalter.
  • Vorschriften wie die Registrierungspflicht für alle Kundenbetreuer schaffen bürokratische Hürden ohne die Qualität in Kundenberatung und Vermögensverwaltung zu verbessern. Privatanlegern wird eine Scheinsicherheit vorgegaukelt.
  • Der Gesetzesentwurf erweist sich als „politischer Versuchsballon“, der Anleger gegenüber anderen Konsumenten privilegiert.

Pro-forma Behörde für unabhängige Vermögensverwalter

Die Schaffung einer Aufsichtsorganisation für unabhängige Vermögensverwalter unter der Oberaufsicht der FINMA ist ökonomisch unsinnig. Kostenintensive Doppelspurigkeiten werden unvermeidbar. Der Verband Schweizerischer  Vermögensverwalter VSV, führender Branchenverband in der Schweiz, ist der Auffassung, dass der Rahmen der Selbstregulierung noch nicht ausgeschöpft ist. Das Einhalten von Standesregeln und gesetzlich vorgeschriebenen Sorgfalts- und Verhaltenspflichten, überwacht durch eine von der FINMA anerkannten Selbstregulierungsorganisation, ist ein effizientes System ohne administratives Übermass, zugeschnitten auf Kleinunternehmen. Notwendige Anpassungen können an den bestehenden Aufsichtsgesetzen und –verordnungen vorgenommen werden. Dazu braucht es kein neues Aufsichtsgesetz.

Wo bleibt der Marktzutritt?

Die Hoffnung, durch Angleichung der schweizerischen Finanzregulierung an EU-Recht den Zugang zum europäischen Markt zu erhalten, ist illusorisch. Der Marktzutritt ist nur über ein Dienstleistungsabkommen mit der EU zu gewinnen. Erst wenn ein solches Abkommen Realität wird, kann die Angleichung an EU-Bestimmungen ein Thema sein.


Linh Dieu
Leiterin Marketing & Kommunikation

Verband Schweizerischer Vermögensverwalter VSV