Kolumne


18.05.2015

Anspruchsvolles Umfeld erfordert Innovation und Transparenz


Jürg Stähelin

Geschäftsführer Schweizerischer Verband für Strukturierte Produkte (SVSP)

Das anhaltend schwierige Umfeld fordert die gesamte Vermögensverwaltungsbranche. Die Anlegerwelt sucht nach neuen Wegen, um trotz herausfordernder Bedingungen Rendite erzielen zu können. Alternativen sind mehr gefragt denn je und Innovationen entscheidend.

Nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses sowie der Einführung von Negativzinsen durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) befand sich der Schweizer Kapitalmarkt im Ausnahmezustand. In dieser aussergewöhnlichen Situation haben die beliebten Strukturierten Produkte Barrier Reverse Convertibles (BRC) den Lackmus-Test bestanden. So analysiert der Schweizerische Verband für Strukturierte Produkte (SVSP) im Nachgang der Marktturbulenzen am 15. und 16. Januar, dass die Renditenoptimierungsprodukte BRC mit 90% nicht berührter Barrieren die Anleger besser vor Kursverlusten schützen als Direktanlagen in den entsprechenden Basiswert.

Lösungen für negatives Zinsumfeld

Zinsen von null bis negativ stellen manche herkömmliche Anlagekonzepte auf den Kopf – doch kann sich kein Investor diesem extremen Umfeld entziehen. Welche Alternativen hat der Anleger, wenn Cash und Obligationen keine Rendite mehr abwerfen? Die Branche lancierte in der Folge zahlreiche Produkte, um alternative Anlagelösungen zur immer teureren Cash-Haltung zu bieten. So können heute Anleger unter verschiedenen Produkten mit Coupons von einigen Prozenten und tiefen Barrieren auswählen. Diese überzeugen dank ihrer Flexibilität und können wie kaum ein anderes Anlageinstrument bedürfnisgerecht aufgesetzt werden.

Transparenz und Wettbewerb sind zentral

In Zeiten tiefer Rendite spielen Transparenz und Kosten eine grössere Rolle. Eine kosteneffiziente Produktion ist dabei zentral. Die Customized Product Tools und Metaplattformen verschiedener Emittenten sind die logische Entwicklung der Branche, um die Produktion zum Vorteil der Anleger effizienter zu gestalten. Diese Tools und Plattformen ermöglichen es dem Anleger, die zentralen Kriterien für sein Produkt zu definieren und Offerten sehr effizient und schnell einzuholen. Auf den Multi-Issuer-Plattformen können Angebote von verschiedenen Anbietern eingeholt und miteinander verglichen werden. Dieser direkte Vergleich schafft Preistransparenz und verstärkt den preislichen Wettbewerb – und der Investor profitiert unmittelbar davon.

Nicht nur die Möglichkeit des direkten Preisvergleichs, sondern auch die neue Ausweisung der Vertriebsgebühren steigert die Transparenz von Strukturierten Produkten, für die sich der SVSP kontinuierlich einsetzt. So weisen zur Verbesserung der Kostentransparenz seit März alle Emittenten im vereinfachten Prospekt die Vertriebsgebühren aus. Sie umfassen sämtliche bei der Emission eines Strukturierten Produktes im Ausgabepreis eingerechneten Gebühren für den Vertrieb von Produkten, einschliesslich der Vergütungen an Vertriebspartner.

Auch über die Landesgrenzen hinaus beteiligt sich der SVSP über den europäischen Dachverband EUSIPA an der Diskussion zur Kostentransparenz. Im Rahmen der Offenlegungspflichten unter der PRIIPs-Verordnung der EU (Packaged Retail and Insurance-based Investment Products) soll eine europaweit anwendbare und von den Aufsichtsbehörden anerkannte anlegerfreundliche und verständliche Kennziffer definiert werden, welche die Investitionsentscheidung der Anleger erleichtern soll.

Trotz der Diskussion um die Digitalisierung von Banken-Dienstleistungen bis hin zu Robo Advisory bleibt – wie Studien belegen – der direkte und persönliche Dialog und Austausch mit Experten für Investoren zentral und die Beratung wichtig. Eine gute Gelegenheit dazu bietet auch die Finanzmesse Finanz’16.


Jürg Stähelin

Geschäftsführer Schweizerischer Verband für Strukturierte Produkte (SVSP)