Kolumne


18.08.2014

Die Dividende bringt’s





Hanspeter Frey

Redaktor, Finanz und Wirtschaft

Hand aufs Herz: Wer denkt beim Stichwort Aktien zuerst an Dividende? Wohl niemand, im Gegenteil.  An Spekulation und verlorenes Jahrzehnt denkt, wer schlechte Erfahrungen gemacht hat, falsch beraten war oder Massenmedien glaubt, denen alles, was mit Börse zu tun hat, suspekt ist. Oder man denkt positiv, an Chancen, an die Diversifikation, wozu Aktien zwingend gehören, unabhängig davon, in welchem Zustand die Finanzmärkte gerade sind.

Weil es mehr gute als schlechte Unternehmen gibt und die schlechten versuchen, ebenfalls gut zu werden respektive an frühere Erfolge anzuknüpfen, sind Beteiligungspapiere, wie es Aktien darstellen, schon rein mathematisch positiv besetzt. Die Besitzer beziehungsweise Aktionäre werden fürs finanzielle Risiko entschädigt, und da sind wir bei der Dividende: Sie ist im Regelfall klar höher als die Obligationenrendite des betreffenden Unternehmens oder vergleichbarer Schuldner, geschweige denn des risikolosen Zinses – gerade jetzt, wo die Leitsätze um den Nullpunkt pendeln.

Bei genauerem Hinsehen stellen wir fest, dass Aktienindizes wie in der Schweiz der SPI und in Deutschland der Dax - also Aktienbarometer, die sämtliche Aktionärsausschüttungen mitberücksichtigen -, selbst das gemeinhin als verloren geltende letzte Jahrzehnt erfolgreich überstanden haben. Die Dividende macht den Unterschied, deutlich wird das auch in diesem Jahr. So notiert der Swiss Market Index SMI, der nur die Kurse misst, auf dem Niveau von Anfang Jahr. Der breitere SPI mit allen Dividenden, Kapitalrückzahlungen und Bezugsrechten verzeichnet während dem immerhin ein Plus von rund 3%. Über 40 Mrd. Fr. haben die gut 200 SPI-Gesellschaften für letztes Jahr ausgeschüttet, 8% mehr als im Jahr davor. Wenn nicht alles schief geht, werden es für dieses und die nächsten Jahre mindestens so viel sein. Denn gestählt durch die Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise ist die grosse Mehrheit der Unternehmen so fit wie noch nie.  

Mit gut 60% wird der durchschnittliche Ausschüttungsbeitrag zum Gesamtertrag von Aktien beziffert. Nach dem Aktienboom der letzten Jahre dürfte, wenn die Märkte zwischenzeitlich korrigieren, dieser voraussichtlich auf kurze Sicht noch steigen. Und während Aktienkurse schwanken, sind die Ausschüttungen erstklassiger Unternehmen fix, das heisst real erwirtschaftet, handfest und beständig.

Beim Stichwort Aktien an die Dividende zu denken mag altbacken sein. Nach der Erfahrung, was alles in der Finanzwelt synthetisch und virtuell ist, würde ich mich deswegen aber nicht schämen.

Hanspeter Frey
Redaktor, Finanz und Wirtschaft